Willkommen zum zweiten Teil des Experten-Interviews mit Patrik Allmann. Weiter geht es mit der Frage, was die Betriebssysteme On-Premises, Internet as a Service (IaaS) und Software as a Service (SaaS) / Public Cloud unterscheidet und warum Validierung in der Public Cloud uns noch eine ganze Weile begleiten wird. 

Patrik, was sind die Unterschiede zwischen On-Premises, IaaS und SaaS? 

„Wird das System On-Premises betrieben, liegen sowohl Hard- als auch Software, also die gesamte Infrastruktubeim Kunden. Er ist damit für das Gesamtsystem verantwortlich und kann natürlich auch alles beeinflussen. Verantwortung ist ohnehin ein ganz entscheidender Punkt im Bereich der Pharmazie und der Medizinprodukteherstellung. Verantwortung kann nicht weiter delegiert werden, zum Beispiel an einen LieferantenGenau dieser Lieferant jedoch beeinflusst die Qualität. Durch Audits muss also sichergestellt werden, dass ein Lieferant überhaupt in der Lage ist, die geforderte Qualität zu liefern. Zu den Lieferanten zählen auch wir, die YAVEON AG: Unsere Kunden haben bei uns schon über 50 Audits durchgeführt. 

Das ist insofern wichtig, weil mit jedem Systembetrieb, der nicht OnPremises betrieben wird, automatisch neben dem Softwarelieferanten weitere Lieferanten in den Software Development Lifecycle eingreifen. Das bedeutet, dass die technische Komplexität im Unternehmen sinkt, aber die Komplexität in der Lieferantenbetreuung steigt 

IaaS ist der nächste SchrittDabei wird die Infrastrukturin der Regel Rechner, Speicherkapazitäten, Server und Betriebssysteme, durch einen Anbieter bereitgestellt – eine sogenannte Private Cloud. Die Software selbst wird noch vom Kunden selbst oder mit Unterstützung der YAVEON implementiert und gemanaget. Das bedeutet aber auch – sieht man von den Systemkomponenten einmal ab  dass das Change Management durch den Kunden und bei Bedarf mit unserer Unterstützung erfolgt. 

Bei SaaS hingegewird – wie das Wort schon sagt – Software als ein Service bereitgestellt. Das bedeutet, es gibt einen Anbieter. In unserem Falle ist das Microsoft. SaaS bringt die Herausforderung mit, dass sowohl Soft- als auch Hardware von Microsoft gemanaget werden: Das ERP-System Microsoft Dynamics 365 Business Central wird über IaaS, also in der Public Cloud, betrieben.“ 

Was heißt Public Cloud? 

Wenn eine Privatperson ihre Daten in der Cloud speichert, managet Microsoft die Daten. Und wenn sie Office 365 in der Cloud verwendet, managet Microsoft nicht nur ihre Daten, sondern stellt auch noch die Softwaremit der Sie arbeiten zur Verfügung– und damit auch das Softwaremanagement. Man befindet sich damit in der Public Cloud und viele Personen nutzen die gleichen Speichermöglichkeiten und Software. 

Das ist grundsätzlich eine Entwicklungsrichtung für Business-Software. Anbieter stellen ihre Businesslösungenwie CRM oder ERP, in einer Cloud bereit und Unternehmen können diese Software und ihre Daten dann nutzen. Das heißt, wenn ein ERP-System in der Public Cloud betrieben wird, liegen Software, Rechenleistung, Infrastruktur und Speicherplatz nicht mehr beim Unternehmen oder beim Software-Partner, sondern direkt beim Software- und Cloud-Anbieter, zum Beispiel Microsoft. Das Prinzip von Software in der Public Cloud bedeutet in der Regel eine standardisierte Software ohne spezifische Anpassungen für den Anwender. Sozusagen eine Lösung für alle. 

Ist es aber nicht so, dass gerade in ERP-Projekten immer wieder spezifische Anpassungen für die Kunden vorgenommen werden? Bedeutet das nicht, dass diese Unterhemen entweder auf die gewünschten Anpassungen verzichten oder nicht in die Public Cloud wechseln können? 

Nicht zwangsläufigDas hängt von der Software und deren Lösungsstruktur ab. YAVEON entwickelt seit Jahren auf der Basis von Microsoft Dynamics 365 Business Central, ehemals NAV oder Navision, Branchen- und Speziallösungen, die wir gemeinsam mit unseren Kunden einführenDiese Lösungen und zusätzlich die gewünschten Anpassungen unserer Kunden wurden in den ERP-Standard integriert. So ist eine einheitliche Lösung entstanden, die wir an den Kunden ausliefern.  

Aber dieses Prinzip wird doch in der Public Cloud nicht mehr funktionieren? 

In der alt hergebrachten Art und Weise nicht, Microsoft stellte bis dato sehr gute ERP-Lösungen bereit, die sich zudem noch gut mit Entwicklungen anpassen ließ. Und in diesem Kontext hat sich eine hervorragende Partnerlandschaft etabliert, in der Partner die Standardsoftware und zahlreiche Lösungen erweitert haben – eben wie wir für die Branchen Pharma, Biotechnologie, Medizinprodukte, Kosmetik, Nahrungsmittel und Chemie. Dazu wurden auch Standardfunktionen in der Software geändert und zudem häufig noch kundenspezifische Erweiterungen vorgenommenDies wurde auch begünstigtda das System dem Kunden „gehörte“ und in seiner IT-Landschaft oder bestenfalls in einer „private Cloud“ betrieben wurde. Um Branchenlösungen auch in der Public Cloud anbieten zu können, muss also ein Wandel stattfinden.     

Und welcher Wandel findet nun statt? 

Nehmen wir ein Beispiel aus dem Privatleben. Eine Person nutzt privat Office 365 und zahlt hierfür jährlich einen „Mietpreis“ für die gesamte Familie und die Nutzung auf allen möglichen Geräten. Oder sie kauft Apps fürs Handy und kann diese ebenfalls auf mehreren Geräten nutzen. Diese Entwicklung aus dem Consumerbereich wird auch in der Geschäftswelt Einzug halten – sowohl für die Art des Nutzens und Betriebs als auch für die Art des Aufbaus der Software. Das Schlagwort ist “Apps”Die Technologie hat sich gewandelt und Microsoft Dynamics Business Central ist grundlegend anders als die Vorgängerversion Microsoft Dynamics NAV. Die Anwendungen sind inhaltlich gleichgeblieben. Aber sowohl die Programmiersprache als auch vor allem die Softwarearchitektur haben sich gänzlich geändert – statt einer vollständig zusammenhängenden ERP-Lösung sprechen wir von Apps. Und damit auch von der Möglichkeit, um weitere Apps zu erweitern. Das Ganze wird dann in einer Public Cloud auf der Cloud-Computing-Plattform Microsoft Azure bereitgestellt. Ähnlich wie eine App für das Handy, ganz einfach zum Downloaden. Das heißt, unsere Kunden nutzen dann zukünftig Apps von Microsoft und Apps von der YAVEON AG und vielleicht noch zusätzlich Apps von weiteren Partnern. Microsoft stellt eine zentrale „ERP App“die Business Central Basis App  bereit, an die sich zertifizierte Partner mit von Microsoft zugelassenen Lösungen anflanschen können.  

 Welche Änderungen sich dadurch ergeben und was Validierung mit der Public Cloud zu tun hat, lesen Sie im nächsten Teil.

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